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| 3, Saguaro Road Records, 2010 |
| Bo Bice |
Vocals, Acoustic & Electric Guitar, Percussion |
| Bart Walker |
Acoustic & Electric Guitar, Mandolin, Background Vocals |
| A.J. Croce & Jeff Roach |
Keyboards |
| Robert Karnes & Matt Ross |
Bass |
| Steve Gorman |
Drums |
| Derek Wolford |
Percussion |
| Melinda Doolittle, Patrick Mitchell & Jonell Mosser |
Background Vocals |
| Steve Herman |
Trumpet |
| Randy Leago |
Saxophone |
| Dan Kelly & James Pennebaker |
Fiddle |
| Produziert von: Bo Bice & |
Länge: 36 Min 13 Sek |
Medium: CD |
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| 1. Keep On Rollin' | 6. Who Knows What |
| 2. Different Shades Of Blue | 7. Long Road Back |
| 3. Coming Back Home | 8. Wild Roses |
| 4. Good Hearted Woman | 9. Get On And Ride |
| 5. Lonely, Broke And Wasted | 10. You Take Yourself With You |
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2005 wurde Bo Bice bei USSDS, also "American Idol", ganz guter Zweiter hinter der heutigen Multimillionärin Carrie Underwood. Schlecht war er ja auch nicht, mit seinen Coverversionen von SKYNRD, den ALLMAN BROTHERS, Travis Tritt, den BLACK CROWES und diversen anderen Altmeistern kam immer wieder Stimmung in die gruselige Show (man konnte und kann "American Idol" prima im Web tagesaktuell verfolgen).
Castingshow-Ruhm ist vergänglich. Das Debutalbum "The Real Thing" war so unsäglicher Plastikmüll, dass man Bice als Rockfan sofort wieder abgeschrieben hat, aber am Ende wurde beinahe eine dreiviertel Million davon abgesetzt, vermutlich weitestgehend an die direkte Zielgruppe der Show, die 10- bis 17-jährigen Kids. Die Major-Plattenfirma kickte ihn trotzdem, der Zweitling "See The Light" verkaufte deutlich weniger als Hunderttausend, hatte allerdings einige wunderschöne "southern fried" Gitarrenabflüge im Angebot, und für das neue, dritte Album, kreativ "3" betitelt, gingen in den ersten sechs Wochen nach Veröffentlichung in den USA nur vierstellige Bestellzahlen ein. Von 700.000 runter auf irgendwas 5.000, das ist beachtlich. Aber ist es auch verdient?
Ja, ist es, möchte man sagen, denn der immerhin schon 35jährige Mann hat es nicht geschafft, sich musikalisch eindeutig zu platzieren. Klammert man das vorproduzierte Debut aus, hätte er mit "See The Light" einen klaren Strich ziehen können: entweder mit NewCountry Anbiederung an das Mittelklasse-Publikum in Tennessee, Alabama oder sonst wo in der amerikanischen Pampa, oder eben Rock & Roll für diejenigen, die Kid Rock, Lenny Kravitz UND die Allmannskynyrdtuckerdaniels-Tradition verstehen und mögen. In jeder der beiden Kategorien kann man punkten und auskömmliche Einnahmen erzielen, mischen darf man die Dinge allerdings nicht, denn dann wenden sich beide Kundenkategorien ratlos ab. Genau diesen Fehler macht Bice soeben mit "3" ein zweites Mal, entweder er schnallt es nicht, oder er hat miserable Berater. Andererseits ist er mit kaum erträglichen Nashville-Aufblasproduktionen wie dem Hybrid aus Schmonzette und Southern-Song Different Shades Of Blue ganz nahe dran an SKYNYRDs letzter Verzweiflungstat "God & Guns" - er tritt ja auch mit Garys Resterampe immer mal wieder auf. Und überhaupt, steckt da nicht vielleicht ein ganz abgefeimter Masterplan dahinter? Möchte Bo gar in ferner oder näherer Zukunft, wenn Johnny Van Zant nicht mehr will oder kann, von den Van Zants adoptiert werden, um mindestens bis ins Jahr 2050 mit irgendwelchen Enkelkindern als LYNYRD SKYNYRD den Totenkult zu zelebrieren? Dann könnte man "3" verstehen. Seine Kollaboration mit den BROTHERS OF THE SOUTHLAND war immerhin schon ein erster Schritt in Richtung Legendenlobhudelei, auch wenn es zu Recht nicht besonders viele Leute interessiert hat.
Das Album schwankt die gesamte dünne Laufzeit von 36 Minuten zwischen Nashville, Nashville und Nashville, ab und an kommt ein wenig Florida-Sumpf dazu, und wenigstens zweimal, bei Who Knows What und Get On And Ride, ein Anflug des knackigen Funk, den Bice perfekt kann und den er bei den TV-Shows und auf "See The Light" öfter hat aufblitzen lassen. Nicht ganz verständlich ist bei diesen beiden Nummern allerdings, dass Schlagzeuger Steve Gorman, im Hauptberuf immerhin bei den BLACK CROWES, so dumpf und dadurch ohne Groove abgemischt wurde. Da hätte ein guter Produzent wesentlich frischeren Wind wehen lassen, aber Bo Bice kennt offensichtlich nur eine Produktionsweise: Ärmel hochkrempeln, Backen aufblasen und dann so viel Pseudopower oder Country-Schnickschnack (Fiddle, Pedal Steel, Chöre etc.) wie nur irgend möglich auf die Festplatte pumpen. Im Ergebnis kann "3" vor lauter Kraft kaum mehr gehen - und klingt wie all diese Anabolika-Produktionen der letzten Jahre völlig überladen. Damit kein Missverständnis aufkommt: Eine CD muss nicht rumpeln wie im Kinderzimmer aufgenommen, aber ein wenig Zurückhaltung täte den Herrschaften aus Nashville gut. Tom Petty hat kürzlich mit "Mojo" das passende Masterpiece erstellt.
Zusammenfassend muss man sagen, dass Bo Bice auch mit seinem dritten Album weitere Glaubwürdigkeitspunkte verspielen wird. Man würde ihn eigentlich gerne in die Rockergilde aufnehmen, er hat den Südstaatenrocker und wilden Mann drauf (lt. Cover bemühen sich auch mehrere Stylisten um seine optische Außendarstellung…), außerdem hat er eine süße kleine Drogenkarriere hinter sich, wurde vor Jahren mit Gras und Koks erwischt, passt also in die gute alte Hirnlos-aber-Redneck-Schule. Mit dem Country-Schmus liegt er allerdings meilenweit neben der Spur, damit haben sich sogar die Genregrößen längst überlebt, auch wenn sie noch ein paar mehr als 5.000 CDs verkaufen. Aber nur ein paar. Bice selbst wird nicht mehr viele Chancen bekommen, sich als ernsthafter Kandidat für Rockfans außerhalb des muffigen Country-Zirkels zu bewerben. 50%-Platten reichen heutzutage nicht mehr. "See The Light" war besser.
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