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Michael W. Smith

Wonder

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Wonder
Wonder, Reunion Records, 2010
Michael W. Smith Vocals, Piano, Keyboards, Guitar
Ben Gowell Guitar
Bryan Lenox Keyboards
Adam Lester Guitar
Jacob Lowery Bass
Dan Needham Drums
Tommy Sims Guitar
Produziert von: Bryan Lenox, Michael W. Smith Länge: 53 Min 37 Sek Medium: CD
1. Save Me From Myself7. Wonder (Not Far Away)
2. Take My Breath Away8. Rise
3. Run To You9. You Belong To Me
4. I'll Wait For You10. Leave
5. Forever Yours11. One More Time
6. Welcome Home12. Take Me Over

Michael W. Smith dürfte einer der in Deutschland unbekanntesten amerikanischen Topstars sein. Der 1957 in West Virgina geborene Smittie entdeckte schon sehr früh die Liebe zur Musik, neben Baseball. Seine erste Produktion veröffentlichte er 1983. Beim "Michael W. Smith Project" stammte die Musik von ihm, die Texte von seiner Frau. Die CD "Go West Young Man" von 1990 konnte man sogar in Deutschland in den Plattenläden finden, aber zum großen Durchbruch hier reichte es nie. Dafür in den Staaten umso mehr. 44 Dove Awards, 3 Grammys und den American Music Award findet man inzwischen in seinen Auszeichnungen, dazu noch 16 goldene und 5 Platin-CDs für seine 15 Millionen verkaufter Alben. Zum "Titanic"-Film wurde auch er angefragt, sein Song wurde leider nicht genommen. Wie er geworden wäre, kann man auf "Live The Life" von 1998 in dem genialen Song In My Arms nachhören. Wenn er in den Staaten auftritt dann in Hallen, die 15.000 Leute fassen und meist sind sie ausverkauft. Und doch bedeuten ihm diese Auszeichnungen wenig bis gar nichts. Rückblickend auf seine Karriere sagt Michael: "Die letzten Jahre waren großartig für mich. Ich bin fast beschämt, wenn ich rückblickend die Dinge sehe, in die Gott mich hineingeführt hat. Doch die Auszeichnungen bedeuten mir vergleichsweise wenig. Für mich ist es das Größte, die Möglichkeit zu haben, mich in das Leben anderer zu investieren. Ich hoffe, mit meiner Musik einen positiven Einfluss zu haben, vor allem auf die junge Generation." MWS weiß, wem er all diese Erfolge zu verdanken hat und das macht ihn wahrscheinlich für viele suspekt. Er bedankt sich bei Gott und hat dies auf jeder Veröffentlichung von Anfang an getan. Mit den beiden Alben "Worship" (2001), "Worship Again" (2002) und "A New Hallelujah" (2008) hat er in der christlichen Musikszene Maßstäbe gesetzt und gezeigt, dass fromme Musik schon weit von der staubigen Kirchenorgel und der verstimmten Konzertgitarre entfernt ist. Musik mit christlicher Botschaft ist zeitgemäß und darf abgehen!
[Und der Lektor weint ergriffen vor sich hin...]

Nun liegt seine 22. Produktion vor und beschäftigt sich mehr denn je mit den Themen Misshandlung, Mobbing und Naturkatastrophen. Songs wie Run To You, I'll Wait For You oder Leave sind aus seiner Arbeit in seinem Teenyprojekt "Rocketown" heraus entstanden. Dabei bringt er in seinen Songs keine Antworten auf die Fragen, warum Gott das Leid zulässt, vielmehr will er Mut und Hoffnung erzeugen. Nicht nach dem Motto "et hätt noch immer joot jejange" (er ist ja auch kein Kölner!), sondern in dem man nicht verzweifeln und zerbrechen soll in scheinbar ausweglosen Situationen.
Michael W. Smith ist ein großartiger Popmusiker, der durchaus auch mal die "Axt kreisen" lassen kann. Deswegen startet "Wonder" mit Save Me From Myself und Take My Breath Away ungewöhnlich heavy. Normalerweise findet man solche Songs im Laufe einer CD von ihm immer mal wieder, aber nicht direkt am Anfang. Nach diesem - für seine Verhältnisse - Soundgewitter geht es dann auch in gewohnter Weise weiter. Und es geht diesmal noch persönlicher zur Sache, wenn er in Forever Yours und You Belong To Me die Liebe zu seiner Frau besingt oder in Welcome Home den Tod der Oma seiner Frau verarbeitet. Im Titeltrack und in One More Time darf dann noch mal wieder Gas gegeben werden, so sollte anspruchsvolle Popmusik heutzutage eigentlich immer klingen. Leave geht mit Text und Musik direkt unter die Haut und erzeugt eine grübelnde Gänsehaut und die bestätigte Tatsache, dass unsere Welt tatsächlich so grausam ist.

Die Produktion legte Smittie in die bewährten Hände von Bryan Lenox, der auch schon seine beiden Alben "This Is Your Time" (1999) und "Freedom" (2000) produzierte. Beides Alben, die in der Vita von MWS ihren besonderen Platz haben. Das erste der beiden weil es den Opfern des Schulmassakers in der Columbine High School gewidmet ist, das zweite weil es sein erstes reines Instrumentalalbum geworden ist.
Insgesamt ist "Wonder" zu einer sehr warmen Produktion mit dem für Michael üblichen Bombast an den richtigen Stellen geworden. Nicht so überbordend wie bei seiner letzten Weihnachtsscheibe, so was dürfen auch nur Amis produzieren (kleine Nebenbeiempfehlung: wer auf Kinobreitwandbombast-Weihnachtspopmusik steht, sollte dringend in "It's A Wonderful Christmas" von 2007 reinhören. Kitschiger, aber trotzdem saugut, geht's eigentlich nicht mehr!).
Somit bleibt unterm Strich ein weiteres sehr gutes Album von Michael Whitaker Smith, das hoffentlich diesmal auch in Deutschland auf eine größere Hörerschaft treffen sollte. Wir vom HoR haben unseren Teil dazu beigetragen.

Für die Technikfreaks noch ein Hinweis: Das Album wurde mit der neuen Studiotechnologie CLASP (Closed Loop Analog Processor) aufgenommen, was dem ganzen Sound mehr Raum und Wärme verleiht. Bisher nutzt diese Technik nur noch Lenny Kravitz.
Und für die weibliche Leser- und Hörerschaft: der Mann sieht auch noch verflixt gut aus…
[Hilft doch nix, bei einem Heiligen. Red.]

Friedemann Schmidt, (Artikelliste), 19.11.2010


 
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