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| Made For Pleasure, Yesterrock (BMG Ariola), 2010 (1988) |
| Jan Ghiantinie |
Vocals |
| Christian Limburg |
Guitar |
| Jörg Hargesheimer |
Guitar |
| Peter Juhre |
Bass |
| Roland Schmidt |
Drums |
| Gäste: |
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| Edgar Patrik, Fritz Randow, Philip Candas |
Drums |
| Kalle Bösel |
Hammond Organ |
| Robby Lutter |
Keyboards |
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Länge: 53 Min 26 Sek |
Medium: CD |
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| 1. Feel My Body | 8. Rocking All Over The World |
| 2. Last Day Of War | 9. Hot Summer Night Party |
| 3. Red Light Night | 10. Boys Got The Fever |
| 4. Trouble In Paradise | 11. Sally |
| 5. Bad Girl | Bonus Tracks: |
| 6. Made For Pleasure | 12. Circle |
| 7. Running | 13. Angels Crying |
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Mei, wie süß. Die Münchener Lokalhelden VICE haben es mit ihrem Debutalbum "Made For Pleasure" nach über 20 Jahren wieder auf eine CD geschafft. Unfassbar eigentlich, denn wenn man sich das Cover anschaut… aua, diese Zeit ist gefühlt noch viel länger her als der erste Hit der BEATLES. Und doch war es 'erst' 1988, als so viele junge einheimische Bands nach den Sternen griffen und klingen wollten wie ihre amerikanischen Vorbilder. Vor allem die Ur-Amerikaner WHITESNAKE hatten 1987 einen neuen Standard gesetzt. Klar, diesen Standard fanden die meisten Nicht-Mantafahrer und Nicht-Friseusen zum kotzen, aber letztlich kam man nicht mehr vorbei an diesem aufgeblasenen, zu nie geahnten Größen hochproduzierten Melodic Rock, der mit Armeen von Gitarrenbreitseiten, Keyboardgeschwadern aus George Lucas' Star-Wars-Fantasien und erbärmlich jaulenden Sängern in viel zu engen Spandexhosen die damals noch existierenden Rock-Radiostationen, Metal-Sendungen im Fernsehen und Diskotheken verkleisterte. Es waren aber auch ein paar echte Kracher unter den viel zu vielen Schmierlappenballaden, die man umgehend auf den Kuschelrock-Compilationen (und im CD-Player der Freundin) finden konnte. Für jeden an puristischen Hard Rock gewöhnten Jeansträger war es eine fürchterliche Zeit. Und mittendrin waren die dauergewellten Jungstars von VICE aus München.
Live war die Band für zwei Sommer ein echter Bringer, ich erinnere mich an einen eindrucksvollen Auftritt im Münchener Theatron im Olympiapark (wo übrigens auch die Bilder für das Cover von "Made For Pleasure" entstanden). VICE brachten die große bunte Welt des Glam-Metal in die beschauliche Provinz, hatten die gleichen Posen und Anmachtechniken wie Coverdale, Diamond Dave und POISONs Bret Michaels drauf, und sie konnten in ihren besten Momenten richtig rocken und Partystimmung machen. Sie konnten einem aber auch elend auf den Zeiger gehen mit ihrem aufgepflanzten "Guck-ich-bin-jetzt-Rockstar"-Habitus und den allzu lauten Sprüchen in den Musikzeitungen. Außerdem wussten wenigstens die Insider von den tatsächlichen Fähigkeiten der einzelnen Musiker, und die waren, nun ja, eher durchschnittlich. So stammt wohl kaum ein Trommelschlag auf "Made For Pleasure" vom eigentlichen Schlagzeuger Roland Schmidt, dafür hatte er einen mords Schlag bei den Mädels…
Die echten Könner der damals noch existierenden Münchner Rockszene, meistens gestandene Männer aus dem Bluesrock-Bereich, hatten für VICE und Konsorten nur ein müdes Lächeln übrig. Diese Borniertheit hat keinem geholfen, denn sowohl die Metaller als auch die Bluesrocker wurden schneller als sie auch nur schauen konnten von der Zeit überrollt. VICE traf das Schicksal besonders hart, denn Jan Ghiantinie, der Sänger, starb kurz nach der Veröffentlichung des Debuts völlig unerwartet an einer hundsgemeinen Krankheit. 1990 erschien dann noch das passable Album "Second Excess" mit einem neuen und guten Sänger namens Allan Keen, aber da war es bereits zu spät für solche Musik. Heute ist wohl nur noch der damalige Bandchef Chris "Yps" Limburg im Business tätig, ironischerweise bei den damaligen Konkurrenten BONFIRE aus Ingolstadt, die ebenfalls bei der Ariola unter Vertrag waren.
Warum soll man sich über die Wiederveröffentlichung von "Made For Pleasure" freuen?
Die beiden Bonus-Songs sind es nicht unbedingt, man kannte sie zwar noch nicht und es sind keine schlechten Nummern, aber irgendwie passen sie nicht zum restlichen Material - zu heavy und zu rau (un)produziert. Demos vermutlich. Das furchterregend schmonzettige Sally ist es ganz bestimmt ebenfalls nicht. Derlei Zeug war schon vor mehr als zwei Jahrzehnten nur zum Fremdschämen geeignet. Nein, es ist ausschließlich die Wiederkehr dieses pseudokalifornischen "Lebensgefühls", das "Made For Pleasure" bis heute zu einer liebenswerten Platte macht. Irgendwie waren wir doch (fast) alle angetan von diesem "Big Rock" und den weltumspannenden Gesten, dem fetten Sound, dem vielen Hall und den Gebirgen von Gitarren. California/Isarstrand, here we come.
Zwanzig Jahre später und ebenso viele Kilos mehr grinst man über viele Gimmicks und die plakativ alberne Darstellung, aber neun der elf ursprünglichen Songs zünden immer noch. Möglicherweise sogar besser als damals, denn so was hat man heute nicht mehr oft freiwillig im Player. Und so richtig unzeitgemäß klingt es auch nicht, auch wenn kein Mensch mehr solche Drum- und Keyboardsounds produzieren würde. Oder etwa doch? Da fällt einem ein bekanntes Melodic-Rock-Label aus Italien ein, das exakt diesen Sound seit Jahren auf Dutzenden Veröffentlichungen publiziert, nur sind die Songs dieser ausgelutschten Minipli-Protagonisten in aller Regel nichts weiter als recycelte Massenware; warum sollte man sich also nicht gleich ein Original ins Haus holen.
Die Gitarrenarbeit von VICE war und ist prima, Ghiantinie war ein hervorragender Sänger und die Hooklines von mehr als einer handvoll Nummern greifen 2010 genauso in den Schritt wie 1988. WHITESNAKE aus dieser Ära mag man nicht mehr hören, VAN HALEN ist genauso durch, da darf man sich gerne die kleinere Version gönnen und Spaß damit haben. Dem einen oder anderen wird dabei vielleicht auffallen, dass der Chorus von Rocking All Over The World durchaus nahe an JUDAS PRIEST ist, dass WINGER ein laues Lüftchen gegen VICE war, dass BON JOVI tatsächlich nur zwei Platten lang besser waren als die Zwerge aus München, und dass Boys Got The Fever, Feel My Body und Red Light Night keineswegs blödere Titel als Slippery When Wet, Bad Boys Running Wild oder Love Bites sind.
Versteht ihr? Für einen kleinen Moment war die junge Band VICE aus München fast so groß wie die steinreichen Vorbilder. Das haben nicht viele geschafft, darauf können die inzwischen nicht mehr ganz so jungen Jungs stolz sein, und wir können mit dem Abstand von 22 Jahren zugeben, dass "Made For Pleasure" ein echter Genre-Klassiker geworden ist.
Es ist eine schöne Wiederveröffentlichung. Auch und gerade für den persönlichen Wohlfühlstatus.
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