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Martin Turner

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Immer enttäuscht von Andys Band

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Nachdem ich die Gelegenheit hatte, ein Interview mit Andy Powell zu führen, war es ja nur natürlich, auch Martin Turner nach seiner Meinung zu den Dingen zu befragen und ihm eine Stellungnahme zu entlocken. Da Martin im Augenblick noch nicht in Deutschland tourt, habe ich über seine Site um Antwort auf Fragen gebeten, und nach einiger Zeit gab es die nun unten ins Deutsche übertragenen Antworten. Insbesondere zum Thema der zwei WISHBONE ASH ist Martins Einlassung ganz anders als das, was Andy mir erzählt hat - der Leser mag sich sein eigenes Urteil bilden. An zwei Stellen habe ich den englischen Originalton beigefügt.
Martins Feedback ist sehr umfassend und offenherzig. Es wäre schön, ihn wieder in Deutschland begrüßen zu dürfen, bis dahin kann man sich die MTWA Musik auf zwei Live-CDs zu Gemüte führen - und das ist von einem bekannten Kritiker sehr empfohlen worden.

Martin Turner

Home of Rock: Martin, was das deutsche Publikum angeht, bist du für einige Zeit einfach von der Bildfläche verschwunden, abgesehen von der Arbeit am Remastering einiger WISHBONE ASH CDs. Kannst du uns erzählen, wie du deine 'Ferien' verbracht hast?
Martin Turner: Meine Ferien, wie du sagst, habe ich wie folgt verbracht: ich wurde geschieden, verbrachte zwei Jahre in Jung'scher Psychoanalyse um wieder in die Balance zu kommen, heiratete wieder, und verbrachte dann eine Menge Zeit und Energie damit, meine sechs Kinder groß zu ziehen. Etwa im Jahre 2000 bin ich von London nach Guildford gezogen.
Ich spielte Bass in einer Band namens THE BLUE BISHOPS, und baute mein Aufnahmestudio weiter aus, wobei ich bei der Arbeit mit einer Vielzahl von kreativen jungen Leuten jede Menge über Recording lernte. So ziemlich jedes Jahre verbrachte ich außerdem damit, WISHBONE ASH Alben zu remastern, remixen und zusammenzustellen. Die wurden dann häufig so veröffentlicht, dass das Datum mit einer von Andys Touren zusammenfiel. Auch verbrachte ich viel Zeit mit der Arbeit an Liveshows und Aufnahmen des London Symphony Orchestras für die British Airways Cabin Crew Entertainment Society, die jährlich Aufführungen von Pantomimen für wohltätige Zwecke auf die Bühne bringen.
Außerdem gab es einige private Dinge zu erledigen, was einige Trips in die USA mit sich brachte. Und nicht zuletzt bin ich in den letzten 10 Jahren meinen Interessen in klassischer Musik, Hinduismus und Englischer Geschichte nachgegangen und lernte viel über Ernährung und Naturmedizin.
HoR: Die offensichtliche nächste Frage ist dann die, was dich im allgemeinen zu einer Rückkehr in die Musikszene, und im besonderen zur Musik von WISHBONE ASH bewegt hat?
M.T.: Ich war ja nie wirklich aus der Musikszene verschwunden. Alle Musik, die ich zu Zeiten von WISHBONE ASH schrieb, handelte von Gefühlen und Vorgängen in meinem Leben, und daher kann ich mich nicht so einfach von etwas verabschieden was Teil meines Lebens ist. Ich hoffte immer, die Band würde wieder zusammenkommen, aber die Jahre vergingen ohne das etwas passierte. Ich sah Andys Band mehrmals und war immer enttäuscht - er ist ein guter Gitarrist, und da waren auch all die richtigen Noten, aber für mich fehlte der 'Wishbone Ash Spirit'. Und da ich hauptsächlich dafür verantwortlich gewesen war, diesen Geist zu erschaffen, fühlte ich mich gegenüber mir selbst und meinen Fans in der Schuld, diesen Geist wieder zum Leben zu erwecken.

HoR: Deine jetzigen Bandmitglieder sind einem größerem Publikum nicht wirklich bekannt. Kannst du uns etwas über sie erzählen, und warum du sie ausgesucht hast?
M.T.: Bislang hatte ich drei verschiedene Gitarristen und zwei Drummer. Sie sind alle aus Mittelengland und herausragenden Musiker, die schon in verschiedenen Bands gespielt haben. Aber wirklich wichtig ist, dass sie die richtige 'Attitude', also Haltung zu der Musik und dem, was ich damit mitteilen möchte, haben. Außerdem sind sie alle mit WA Musik aufgewachsen - das hilft.

HoR: In meinem Interview mit Andy sagte er, dass er zwar froh war, dass der Musikzirkus dich wieder hat, aber nicht darüber, dass es nun zwei WAs im Markt gibt (außerdem erzählte er mit, dass deine Band ursprünglich Martin Turner's Wishbone heißen sollte und dass sich das über die Zeit hinweg geändert hat). Die Tatsache der zwei WAs führte laut Andy außerdem zu einer Abwertung des Trademarks Wishbone Ash. Könntest du bitte dazu und wie du die Musik deiner Band definierst Stellung nehmen?
M.T.: Ich muss leider ehrlich sagen, dass Andy den Namen und den Ruf von WA für seinen eigenen Profit und ohne einen der anderen Bandmitglieder zu fragen 'entführt' hat. Darüber sind wir nicht glücklich, und auch darüber nicht, dass er mit armseligen Produkten ('poor quality product') den Bandnamen entwertet hat. Außerdem war er in dubiose Deals mit dem Material, an dem wir die Rechte haben, involviert und hat nicht zuletzt versucht, die Bandgeschichte zu fälschen.
Gar nicht zu sprechen davon, dass er doch derjenige war, der den Status der Band reduziert hat. Im Falle der zwei Trance/Dance Alben waren viele Leute sehr wütend darüber, dass sie ausgenutzt wurden und etwas gekauft haben was mit dem Namen auf dem Cover nichts zu tun hatte. Das trat den Namen WISHBONE ASH in den Schmutz ('Brought the bands name into disrepute'), und ein Albumtitel - "Psychic Terrorism" - rangiert meiner unmaßgeblichen Meinung nach unter den schlimmsten Albumtiteln überhaupt.
Was seine Feststellungen über den Namen meiner Band angeht, und um die zu korrigieren - ich habe ihm definitiv gesagt, dass meine Band Martin Turner's Wishbone Ash heißen wird. Darauf hin hat er und seine US-Site-.com eine Kampagne gegen meine Namenswahl gestartet, und schließlich gab ich in Gesprächen zwischen den beiden Lagern nach und verkürzte den Namen auf "Wishbone"; dies unter der Voraussetzung, dass seine US Site aufhören würde, beleidigende Statements zu posten, Links zwischen beiden Sites zur Verfügung stellen würde und andere kleinere Änderungen.
Wir modifizierten daraufhin unsere Site, er aber nicht. Und da wir eine Vereinbarung hatten, die uns erlaubte, zu unserem ursprünglichen Namen zurückzukehren wenn die vereinbarten Änderungen seinerseits nicht durchgeführt wurden, haben wir ihn schließlich nach drei Monaten informiert, dass wir wieder diesen Namen annehmen würden. Ich würde mal denken, dass dir nur ein Teil der Wahrheit mitgeteilt wurde, um einen bestimmten Eindruck bei dir zu erwecken. Andy und sein US-Team sind sehr gut bei dieser Art Imageerschaffung. Aber leider hat das ganze sehr wenig mit der Wahrheit zu tun.

HoR: Ich weiß, dass ihr schon jede Menge Gigs gespielt habt - wie haben die Leute auf dich und deine Band reagiert?
M.T.: Das Feedback war sehr positiv, leidenschaftlich und von Herzen kommend. Bei so ziemlich jedem Gig den wir bislang gespielt haben erzählten mir die Leute, wie unsere Musik ihre Erinnerungen an die Band der 70er zurückbrachte, und obwohl einige Leute ihre Loyalität nur widerwillig übertragen wollten, kamen sie zumindest um mich zu hören und haben normalerweise gesagt, wie gerne sie das alles wieder hören.

HoR:: Als du bei WA warst habt ihr einige der herausragendsten ASH-Alben überhaupt gemacht - du hattest also einen großen Backkatalog - warum habt ihr "Argus" für eine Wiederveröffentlichung ausgewählt?
M.T.: Eigentlich wohl, weil "Argus" das am meisten geliebte WA Album ist, und weil ich das meiste Material darauf geschrieben habe. Ich entschloss mich daher, das Material live on Stage in seiner Gesamtheit aufzuführen - etwas, was die eigentliche Band nie gemacht hat. Wir probten im Studio meines Managers (was geografisch sehr bequem für alle Bandmitglieder war), und da er die Aufnahmegeräte hat, machte es Sinn es zu recorden. Keiner wusste ob das funktionieren würde, man hat so etwas nicht oft gemacht und es ist auch nicht einfach, daher bin ich sehr glücklich mit dem Ergebnis, und viele Leute sagen mir dasselbe.

HoR: Auf deiner Site werden zwei Livealben zum Kauf angeboten. Und obwohl mir der Mund wässerig geworden wäre, wenn ich gewusst hätte, dass es WA Alben mit der WA-Stimme gibt, war mir das - und ich nehme auch an, relativ wenigen anderen Leuten auf dem europäischen Kontinent - nicht bewusst. Habt ihr eure Marketinganstrengungen bewusst auf England konzentriert, oder hat sich das eben einfach so ergeben?
M.T.: Na ja, es braucht eben alles seine Zeit. Es gab wohl Drohungen seitens Andys Promotern, dass seine Band nicht mehr an den Orten auftreten würde, wo wir aufgetreten sind. Wir haben das dann zwar im Laufe der Zeit überwunden (ich nehme eh an, dass das ein Bluff war), aber bislang hat es sich als sehr schwer für uns in Deutschland herausgestellt. Aber auch hier ändert sich das langsam, und wenn wir dann eine Tour manchen werden, werden die "New Live Dates"-Alben zum Kauf angeboten werden. Bis dahin sind sie hier verfügbar: www.wishboneash.co.uk.

HoR: Um in die Zukunft zu schauen, nehme ich mal an, dass die Leute ein neues Album von und mit WAs Originalstimme hören wollen. Ich nehme außerdem an, dass ihr nicht dem Vorbild zahlreicher US-Bands folgen wollt, die das immer selbe Material bei jedem Gig rauf- und runterspielen. Was kann der Zuhörer von deiner Band diesbezüglich kurz- oder mittelfristig erwarten?

M.T.: Diese Jahr sind wir alle sehr beschäftigt, also glaube ich nicht, dass wir Zeit für ein neues Album haben werden. Aber natürlich ist das etwas, was wir tun möchten. In der Zwischenzeit gibt es eine Unmenge Material aus den 70ern, aus dem man auswählen kann und wir haben immer noch jede Menge Musik die wir neu erforschen wollen.

HoR: Zu guter Letzt eine Frage nach Steve Upton. Ich habe gehört, dass er jetzt ein Hotelmanager ist, stimmt das?
M.T.: Das ist nicht ganz so. Unser alter 70er Manager Miles Copeland hat Steve gebeten, ein Chateau, das er in der Gegend um Bordeaux gekauft hat, zu managen. Da gibt es alle möglichen musikbezogenen Aktivitäten, aber leider war ich noch nicht dort und kann die Frage nicht umfassend beantworten.
Zum Abschluss will ich gerne sagen, dass ich mich darauf freue, wieder in Deutschland zu spielen. Grüße an die deutschen Fans!

Euer Martin Turner

Dietrich Gastrock, (Artikelliste), 28.03.2009

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