Fotos:
Heidi Bauer
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Nikki Burt - 59 KB, Breite x Höhe = 600 x 790
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Bushman - 55 KB, 600 x 783
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Genie Slick - 44 KB, 600 x 768
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Bushman-Konzert in München, zusammenfassend könnte man sagen,
das war ein Abend der Irrungen und Wirrungen.
Angefangen damit, daß just zu dem Moment, als ich telefonisch
mit der Tourmanagerin den Interviewtermin fix machen sollte, mir Bushman
ein "Rastafari" aus dem Radio entgegenraunzt. Ok, kein Problem, ich bekomme
schließlich einen Termin für 20 Uhr zugewiesen.
Als ich beim Backstage eintreffe, ist die Halle noch zugesperrt und
obwohl der Einlaß für 20 Uhr angekündigt war, läßt
man die Leute eine gute halbe Stunde in der Kälte vor der Tür
stehen.
Ich frage mich derweilen zu Marcia, der Tourmanagerin, durch und die
zerrt mich gleich bereitwillig in den Nightliner. Dort sitzt Bushman in
der hinteresten Ecke und ist gerade furchtbar angefressen, weil das Catering
keine Mahlzeit anbieten kann, die auch nur auch nur annähernd ital
wäre. Weil wir Frauen aber genau wissen, daß ein hungry man
ein angry man ist, verfrachtet Marcia mich in dern vorderen Teil des Busses,
um dort auf bessere Vibes des Bushman zu warten.
So weit so gut, bis plötzlich ein Kerl in den Bus stürmt
und mich aber so was von hochkant aus dem Bus wirft! Seh ich etwa aus wie
ein wildgewordenes Groupie?
Fairerweise sei gesagt, der Typ kommt nach 20 Min. zu mir, entschuldigt
sich auf's höflichste und verspricht mir, sich um ein Interview nach
der Show zu bemühen. Wer jetzt wissend schmunzelt, hat recht: Natürlich
gab es nach dem Konzert kein Interview mehr!
Aber vorher gab es noch einige viel überraschendere Ereignisse.
Als ich ziemlich durchgefroren an der Kasse eintreffe, will dort niemand
Hrn. M.G. aus B. kennen, der mir als angeblicher Tourveranstalter schriftlich
zugesichert hatte, daß ich auf der Gästeliste stünde. Roy, der
Promoter (!), läßt sich aber von mir und meinen Flyern überzeugen,
daß ich wichtige Arbeit zu verrichten habe.
Jetzt aber endlich zum Konzert selbst. Und zur nächsten Überraschung.
Der Keyborder der Grass Roots Band kündigt gegen 22.00 Uhr zunächst
einmal ihre bezaubernde, sexy Sängerin NIKKI BURT an. Und das war auch
gar nicht zu viel versprochen. Nikki stürmt im Tarnanzug auf die Bühne
und beweist, daß sie wirklich eine tolle Stimme hat, diesen Solo-Part
wahrlich verdient und nur als Backgroundsängerin zu schade wäre.
Nach den ersten Songs ist klar, die Jungs der Grass Roots Band sind gut
aufeinander eingespielt und der Sound im Backstage gewohnt hervorragend.
Ihr Roots-Reggae mit einem guten Schuß Nikki-Soul sind eine gute
Einstimmung.
Einstimmung für Bushman. Aber wo bleiben CHRISINTI und ILEY DREAD,
die für die gesamte Tour mit angekündigt waren?
Egal, Bushman kommt also, im gleichen Tarndress wie Nikki. Die Vorliebe
der Reggaekünstler für diesen Military-Style wird mir wohl für
immer verschlossen bleiben.
Fast schüchtern wirkt er bei den ersten Songs und es dauert eine
ganze Weile, bis man das Gefühl hat, daß Bushman, der aus einer
sehr ländlichen Gegend auf Jamaika kommt, auftaut und lockerer wird.
Zu keinem Zeitpunkt gibt es aber daran einen Zweifel, über welche
ausgezeichnete Stimme der 28-Jährige verfügt. Ob er brüllt
wie ein Löwe oder sanft und zuckersüß bei Your Love die
Mädels in der ersten Reihe ansingt, der Gesang ist wohl mit das beste
was ich bisher live gehört habe.
Und man kann auch spüren, wie wichtig die Musik und die Message
seiner Texte für Bushman sind, der sich als Medizinmann, mit der Musik
als Heilmittel, versteht.
Und trotzdem rauscht das Konzert ohne besondere Highlights an mir vorbei.
Woran das liegt weiß ich auch nicht so ganz genau, denn eigentlich
scheint alles zu passen: Gute Backingband, der richtige Rhythmus, ein Frontman
mit Ausstrahlung und toller Stimme, das Album zur Tour, "Higher Ground",
wird allseits hochgelobt.
Gut, Bushman ist keiner, der das Publikum dauernd anheizt, ist kein
Showman, seine Performance wirkt stellenweise fast introvertiert. Es gibt
auch keinen wirklichen Kracher, keinen Song mit Ohrwurmwirkung, den ich
noch auf dem Heimweg vor mich hin summe. Und das Konzept der Veranstaltung
war wohl mit Iley Dread und Chrisinti ursprünglich ein anderes. So
dauerte Bushmans Auftritt fast an die 2 Stunden und hatte dadurch gewisse
Längen.
Das soll aber auf keinen Fall heißen, daß mir das Konzert
nicht gefallen hätte. Bushman ist auf jeden Fall sehens- und hörenswert.
Die Partystimmung kam im proppenvollen Backstage mit dem anschließenden
Soundsystem noch auf den Höhepunkt.
Dort entpuppte sich dann auch noch das nette Mädel am Merchandise-Stand
als klasse Sängerin. GENIE SLICK schnappt sich das Micro und toastet
los, das es eine Freude ist. Geschickt für sich Werbung gemacht, denn
wie sie mir erzählt, kommt sie im Oktober mit ihrem eigenen Album auf
Tour nach Europa. Da kann man gespannt sein, die Scheibe wird nämlich
von King of Kings produziert, hinter dem kein anderer als Iley Dread steckt,
der als Produzent schon mit etlichen Reggaegrößen wie z. B. Buju Banton und Michael Rose zusammengearbeitet hat.
Wo der und Chrisinti allerdings abgeblieben sind, konnte ich nur ansatzweise
herausfinden. Leicht gequälte Aussage vom Tourmanagement: Die beiden
haben den Bushman-Tross 3 Tage zuvor wegen anderer Verpflichtungen verlassen.
Da kann sich nun Jeder seinen eigenen Reim drauf machen.
Bushman war erwartungsgemäß nach seiner Show spurlos verschwunden
und vor lauter schlechtem Gewissen hat mich Marcia mit CDs, Postern und
Photos überhäuft. Ich bin noch nie so vollgepackt von einem Konzert
heimgekommen.
An dieser Stelle möchte ich mich bei Marcia und Roy bedanken, die
sehr nett, zuvorkommend und auch um Unterstützung bemüht waren.
ID, (Impressum, Artikelliste), 26.01.2002
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