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Caravan

Bonn, Harmonie, 02.05.2004

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Harmonie, Bonn

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Bonn, Harmonie, 02.05.2004

Es ist gerade mal auf den Tag 1 1/4 Jahre her, daß ich die Band am 2.2.2003 im belgischen Verviers sehen und hören konnte. Zuvor hatte ich Caravan zwischen 1973 und 1976 2-3 mal gesehen und war immer wieder begeistert, wie sie auf der Bühne wirkten.
Ihre Platten höre ich seit 1971: Die erste LP "Caravan" (auf Polydor) und die dann folgenden Deram-LPs "If I could do it all over again..." und "In the land of grey and pink" brachten Musik, die in der Form neu und ungewohnt war. Obwohl ihre LPs aus der Mitte der 70er ("For girls who grow plump", "Cunning stunts", "Blind dog of St. Dunstans") phantastisch waren, kam ihre "Canterbury-Experimentierfreude" nie mehr so rüber. Das lag bestimmt aber auch daran, dass die experimentelle Zeit Ende der 60er/Anfang der 70er (man erinnere sich an die frühen PINK FLOYD, SOFT MACHINE) vorüber und Handwerk angesagt war. Das Hin und Her beim Personal in der Zeit zwischen 1971 und 1975 war aber wohl auch nicht unschuldig daran.

In 2003 spielte die Band ein sehr schönes "Best of"-Programm und präsentierte nach vielen Jahren wieder Jan Schelhaas an den Keyboards, der 1975 schon einmal Dave Sinclair ersetzte. Auch nach dem gestrigen Bonner Konzert muß ich sagen, daß Jan Schelhaas einfach der "bessere Dave Sinclair" ist, so eigenartig das auch klingen mag: Schelhaas hat mittlerweile den von Sinclair mitbeeinflußten Canterbury-eigenen Orgelsound (diesen "Squeezing" beherrschte übrigens Mike Ratledge von Soft Machine in deren ersten Jahren auch herrlich) besser drauf. Auf den Caravan Live-CDs von 1997 ("Canterbury comes to London") und 2002 ("A nights tale:LIVE Nearfest") kann man das sehr schön nachvollziehen (da spielte noch Sinclair), wenn man Caravan dieses und/oder voriges Jahr gesehen hat.
Der neue Gitarrist Doug Boyle (ex-Robert Plant Band), auch schon seit über 7 Jahren dabei, gibt Urmitglied Pye Hastings an der Rhythmusgitarre viel Raum um seine Stimme voll einzusetzen. Die Anteil der Stimmen in Caravans Musik war immer schon sehr stark: Der Weggang des Bassisten/Sängers Richard Sinclair in den 70ern schmerzte sehr.

Wieder zurück ins Jetzt: Richard Coughlan unterlegt jeden Song ideal mit seiner typischen Schlagzeugarbeit und Geoff Richardson fiedelt und flötet wie eh und je: Beide Musiker haben seit 36 (!) bzw. 32 Jahren die Lizenz zum Caravaning.
Bassist Jim Leverton (ehemals Steve Marriott u.v.a.m. - Red.) wäre auch als Lead Vocalist gut einzusetzen, was man insbesondere bei "9 feet underground" hören kann.

Ein paar Worte zur Bonner "Harmonie": Ähnlich dem "Spirit of 66" in Verviers schafft es der Inhaber immer wieder, tolle Bands in seine Kneipe (größer ist das nicht: Jeder Clubraum eines Bochumer Taubenzüchtervereins ist größer, besser belüftet und hat mindestens einen Notausgang mehr) zu holen.
(Wir schicken unsere Schreibkräfte zu Recherchezwecken öfter mal in einschlägige Tauben- und Karnickelzüchtervereine - das HoR also immer am Puls der Zeit... Red., Abt. Kleingärtnerei)
Am 2.Mai war es leider nur zu 2/3 voll: Ich schätze rund 250-300 Leute. Wer kennt denn noch CARAVAN (die übrigens in 2003 keinen Promoter für eine Tournee oder einzelne Auftritte in Deutschland gefunden hatten)?
DerSound war prima ausgesteuert, alle Instrumente und Vocals bestens zu hören. Das Publikum war die meiste Zeit mit Biertrinken beschäftigt, na ja.

Der Set überzeugte 2004 wieder und zeigt nur geringe Abweichungen zu 2003: Die Songs der voriges Jahr veröffentlichten CD "Unauthorised breakfast item" fügten sich jetzt besser ins Programm ein und wirkten nicht so außen vor wie noch 2003. Aber als ich die in 2003 hörte, waren das die ersten Live-Versuche und noch nicht ausgereift.
In Bonn konnte Caravan 125 Minuten lang neben 6 neuen Songs (This time, It's not real, Revenge, Head above the cloud line, Smoking gun und Unauthorised breakfast item) unbeschwert "einen Kessel Buntes" auftischen: The dog the dog he's at it again, Why why why-I wish I was stoned (vom 1. Album aus 1968, die Überraschung des Abends!), Golf girl, 9 feet underground (sehr kraftvoll und energiereich), Nightmare, Backwards/A hunting we shall go (mein Favorit des Abends!), For Richard. Dann als 1. Zugabe: Memory lain Hugh/Headloss und als Rausschmeißer If I could do it all over again.

Es ist übrigens Drummer Richard Coughlan, der bei den häufigen Tempowechseln die Marschrichtung vorgibt: An ihm orientieren sich die anderen. Geoff Richardson und Doug Boyle haben offensichtlich mächtig Spaß, Fidel und Gitarre aufs Extremste auszureizen und sich gegenseitig hoch zu pushen.
Ultimative Lobhudelei zu Schelhaas siehe oben und die gute Seele der Band ist immer noch Pye Hastings.
Alles in allem merkt man, wieviel Spaß die 6 an ihrer Musik haben und es wohl auch selber schade finden, dass sie nur eine oder zwei Handvoll Abende im Jahr Live vor Publikum spielen. Dafür ist es erstaunlich, wie gut aufeinander abgestimmt sie agieren. Tja, hätte Caravan Anfang der 70er ein professionelleres Management und einen Vertrag mit einer Majorfirma gehabt und wären Keyboarder und Bassisten (und damit auch die Stilrichtungen) nicht andauernd gewechselt worden, wer weiß, ob sie dann nicht einen ähnlichen Erfolg wie YES z.B. geschafft hätten. Seufz...

Interesse geweckt? Wer das Konzert verpaßt hat, hat leider Pech gehabt: Caravan geben weltweit jährlich nur eine Handvoll Dates. Dann halt CD hören: Siehe zum Einen die Empfehlung, sich Richard Sinclair in den Songs von 1977 auf der - neu remasterten und mit 40 Minuten Bonusmaterial versehenen - Doppel-CD "A Live record" von CAMEL (keine Angst, Camel hören tut nicht weh!) anzuhören. Und zum Anderen: Jan Schelhaas spielte von 1978-1981 auch bei Camel; hier empfehle ich die CDs "Nude" sowie "On the road 1981:Live BBC".
Die letzten Caravan-Live-Aufnahmen sind (neben o.g. "A nights tale:Nearfest 2002") die ohne Genehmigung der Band auf dem Label 'Classic Rock Legends' veröffentlichten CDs "Nowhere to hide:Japan 2002" und "With strings attached:Quebec 2002". Der Versandhandel JPC liefert diese 2 CDs noch, hurry up!

Jürgen Preuß, (Artikelliste), 02.05.2004

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