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Eric Burdon & The New Animals

München, Tollwood Festival, 02.07.2001

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Als ich Eric Burdon erstmals live gesehen habe (auf einer Tour mit Udo Lindenberg und seinem Panik Orchester als Special Guest, 1979), hatte er schon mehr mitgemacht, als Kurt "No Brain" Cobain es in seinem kurzen, sinnlosen Leben jemals geschafft hat. Nur hat sich der recht zügig das Hirn weggeblasen und Eric hat im Mai seinen 60. Geburtstag gefeiert.

Seit 1979 habe ich Burdon x-mal gesehen. Manchmal war's zum heulen, manchmal war's toll, manchmal hatte er Chaotenbands im Background, manchmal war seine Stimme angeschlagen. Aber immer war klar, daß er zu den ganz großen Bluessängern gehört.
Oft verarscht, falsch beraten oder selber schuld an desaströsen Platten und Konzerten, jahrelang verschwunden im Sumpf und doch immer wieder zurückgekommen. Zwischendurch in Filmen zu sehen ("Gibby Westgermany" und "Comeback" von Christel Buschmann, 1980, tolle Filme!) und nie mehr so erfolgreich, wie zu Animals-Glanzzeiten, hat er immer wieder starke Platten gemacht. Die Doppel-CD "Access All Areas", live mit der Brian Auger Band von 1993, natürlich "Comeback" von 1982 und "Power Company" ('83).
Seit ein paar Jahren ist er wieder ständig unterwegs mit einer Band, die sich THE NEW ANIMALS nennt. Diesen Namen hat er schon 1968 benutzt, aber natürlich hat die heutige Band mit der damaligen nichts zu tun.

Jetzt ist er im Rahmen des Tollwood Festivals nach längerer Zeit auch mal wieder bei uns in München gelandet.
Das Tollwood Festival gibt es seit 1988 und es war damals sowas wie das (bayrische) Mekka der Freaks, Hippies, Kiffer, Kleinkunstfans, Alternativen und Spontis. Das hat sich in den letzten Jahren stark verändert. Wo es früher kreatives Chaos gab, so gut wie keine Organisation und wilde Vögel zuhauf, hat sich auch hier professionelles Management und kommerzielles Denken durchgesetzt. Und klar, das Publikum ist auch älter, "seriöser" (obwohl ich daran manchmal zweifle) und gesetzter geworden.
Das Musikzelt ist riesengroß, die Bühne auch, die Soundanlage gigantisch. Es unterscheidet sich also nicht mehr von "normalen" Festivals. Wären da nicht doch noch ein paar Übriggebliebene, die sich in aller Ruhe die eine oder andere Selbstgedrehte (hähä) genehmigen und mit ihren Batiktüchern durch die Gegend wandeln...

Die NEW ANIMALS sind laut. Und sie machen mächtig Druck. Ein irrer Drummer und der deutsche Keyboarder und Geiger Martin Gerschwitz bilden das Rückgrat der Band. Der Gitarrist rockt, fällt aber manchmal mit seinen Soli etwas aus dem Rahmen der Songs. Aber er weiß sehr genau was er tut. Nachzuhören beim Star Spangled Banner
Und dann Eric: Nie habe ich ihn so frisch, wach und agil gesehen. Seine Stimme ist phantastisch und selbst bei den schwierigen Passagen, bei denen er früher schon mal gerne einen Viertel Ton daneben lag, gibt es keinen Wackler, keinen Aussetzer.
Wie gesagt, er ist jetzt 60 und hat nochmal sowas von die Kurve gekriegt. Toll.

Die Setlist besteht ausschließlich aus alten Songs. Wenn ich mich nicht sehr irre, allesamt aus den Sixties. Allerdings sind sie sehr zeitgemäß - naja, wenn man das so sagen kann - arrangiert. Dadurch hat man nie den Eindruck einer Revival-Show. Absolut kein 60er-Jahre Mief oder Muff, es wird locker und konzentriert losgerockt.
Ganz egal ob Don't Bring Me Down, Boom Boom (natürlich als Hommage an John Lee Hooker), Don't Let Me Be Misunderstood oder See See Rider, kein einziger Schlapp-Song ist im Set.
Herausragend natürlich Monterey (ich mutiere nachträglich noch zum Hippie) und Sky Pilot mit seinem unwiderstehlichen Chorus und der schönen Geige.
When I Was Young sollten sich die bösen bösen Rapper mit ihren Kopfsocken mal reinziehen. Vielleicht lernen sie anschließend endlich, klar und artikuliert zu sprechen. Von singen ganz zu schweigen.

Bei We Gotta Get Out Of This Place muß man einfach mitsingen und Spill The Wine ist und bleibt einer meiner Lieblingssongs.
Paint It Black mochte ich in Burdon's Version(en) immer schon lieber als von den Stones. Erstens wegen der Stimme und zweitens können es die New Animals einfach besser spielen.
Tobacco Road beginnt als ganz schwarzer Blues in einer wahnsinnigen Art und Weise, wird dann aber zu einer, sehr guten, Rock'n'Roll-Nummer. Da hätt's ein bißchen weniger Chuck Berry auch getan. Ah, ich glaube, ich muß mich korrigieren. Tobacco Road müßte aus den 70ern stammen, oder? Hat er das nicht erstmals mit WAR gespielt? Aber da war das Lied auch nicht mehr ganz neu.

Nun gut, auf den alten Gassenhauer House Of The Rising Sun hätte ich persönlich verzichten können. Aber daran wird Burdon Zeit seines Lebens nicht vorbeikommen. Soll es also sein. Die Leute wären enttäuscht. Und das wollen wir ja nicht. Schließlich geht der Alt-68er im Jahr 2001 nicht mehr jede Woche zu einem Konzert. Zwischen Karriere und Toskana ist halt nicht so viel Zeit, um sich auf die alten Zeiten zu besinnen. Der Altersdurchschnitt dürfte sich bei diesem Konzert reichlich auf die 45 zubewegt haben. Ich mußte fast schon meinen Ausweis am Bierstand vorzeigen. Fast.

75 Minuten haben Burdon und seine New Animals gebluest und gerockt, das es eine echte Freude war. Fein. Einziger, kleiner, Kritikpunkt: Ich hätte mir ein paar Songs aus der Nach-Animals Zeit gewünscht. WAR und seine Solo-Alben (s.o.) hätten es verdient. Andererseits passt das nunmal nicht in das derzeitige Konzept. Egal, es war ein sehr feines Konzert.
Comeback!

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 03.07.2001

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