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Blick in Richtung Bühne, dazwischen der Mischpult, rechts die Getränkehalle (!!) - 16 KB
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P.O.R.N. Cops - Auch bei dem Wetter: Trockeneisnebel muß sein! - 21 KB
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Smoke Blow - "Ihr scheiß Schwaben!" Jack Letten und MC Strassenköter in ihrem Element - 22 KB
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Leider die soundtechnischen Verlierer - trotzdem geniale Band: Blackmail (noch ohne Bausparvertrag) - 25 KB
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Alles andere als "Nightmare" - Mother Tongue rocken das Haus bei untergehender Sonne - 23 KB
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Marc Zini mit Stone The Crow zu mitternächtlicher Stunde - 15 KB
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| Schwäbisch Hall, Michelfeld, 19.07.2003 |
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Schwäbisch-Hall/Michelfeld, Samstag der 19.07.2003. Unter der brütenden Sonne schleppen sich ein paar verlorene Gestalten gegen 15.00 Uhr in Richtung einer Getränkehalle (!) im Industriegebiet Kerz. Nachdem ein etwas umständlicher Ticketschalter passiert ist ("des Bändle jo net verliere!"), kriecht der schon jetzt ausgelaugte Körper in Richtung des spärlichen Schattens am Rande der Getränkehalle (!!). Diverse Din A-4 Zettel verkünden den geplanten Ablauf des Laut im Out Festivals 2003:
15.00 Uhr Doors (komisch, waren gar nicht angekündigt, achso)
16.00 Uhr - 16.30 Uhr P.O.R.N. Cops
17.00 Uhr - 18.00 Uhr Smoke Blow
18.30 Uhr - 20.00 Uhr Blackmail
20.30 Uhr - 22.00 Uhr Mother Tongue
22.30 Uhr Stone The Crow
Erste leichte Verwunderung (wohl nicht nur) bei mir : STC als Headliner? Ok, die Jungs haben quasi Heimspiel, aber mir scheint doch eher, daß Blackmail und v.a. die lange Zeit von deutschen Bühnen abwesenden Mother Tongue auf größeres Interesse stoßen werden, aber mal sehen.

Los gehts mit den P.O.R.N. Cops aus Gaildorf (passt doch prima bei dem Bandnamen, oder?), die eine Mischung aus Sleaze Rock und Hardcore spielen und die undankbare Aufgabe haben, in der wummernden Hitze die Leute aus dem Schatten an der Getränkehalle (!!!) in den Schatten vor der Bühne zu locken. "Zum Warmwerden" oder "die Leute aufheizen" kann man sich bei diesem Wetter als Phrase getrost sparen. Die PC locken schließlich ca. 30 Leute vor die Bühne, einige natürlich aus ihrem Bekanntenkreis - man ist ja hier quasi zuhause. (Immerhin: in Cottbus habe ich im Gladhouse mal die Coalminers Beat vor sage und schreibe 11 Zuschauern spielen sehen).
Der Rest der bereits erschienenen hängt noch mehr oder weniger ab, was jedoch nicht an PC liegt, die schnörkellos zur Sache kommen und mit zunehmender Spieldauer beweisen, daß sie außer HC auf die Zwölf auch Reggae-, Stoner- und Boogierockeinflüsse miteinweben können. Der Vierer bestehend aus Jens Günther (Leadvocals & Guitar), Michael Ulrich (Leadguitar & Vocals), Chris Schaupp (Drums & Vocals) und Wolfgang Schaller (Bass & Vocals) geht mit enormer Spielfreude und Enthusiasmus zur Sache und, auch wenn das immer wieder abgedroschen klingt: die klingen nicht nach Gaildorf, sondern durchaus nach, sagen wir mal kalifornische Westküste. Michael Ulrich zeigt mir nachher seine blutig gespielten Finger zum Beweis dafür: Die Jungs haben alles gegeben, und sind auch richtig stolz (zurecht!) auf diesem Festival mitwirken zu dürfen, weshalb sie sich auch die anderen Konzerte, unters Publikum gemischt, reinziehen. Finde ich auch prima, zumal sich die anderen Bands (Ausnahme: Mother Tongue, insbesondere Davo) doch fast ausschließlich im Backstage-Bereich aufhalten.

Bei Smoke Blow ist alles ein bißchen dreckiger, schmieriger, prolliger und lauter. Schließlich arbeiten die Kieler, nach eigener Aussage die assigste Band der Welt, mit der Kraft der zwei Herzen an Vocals und Sechssaiter (Jack Letten und MC Strassenköter am Mikro, Gerrard the J.R. und Kentucky an der Gitarre), womit also sechs Nordlichter die Bühne entern.
Nachdem Jack Letten erstmal die Schwaben beleidigt (Was hat er denn gesagt? Vizemeister? Red., Abt. Champions League) und sich über die Location lustig gemacht hat (Getränkehalle!!!!), kann eigentlich nichts mehr schiefgehen. Bei der brachialen Schweinerockmucke der ausgewiesenen Showprofis von Smoke Blow bleibt ohnehin kein Auge trocken. Dabei fällt mir auf, daß Jack Letten die deutsch Ausgabe von Henry Rollins ist: tätowiert von Kopf bis Fuß, vornübergebeugt und in die Kniegehend in das Mikro brüllend (am Ende verschwindet es sogar im Mund), röhrend wie ein angeschossener Elch und sabbelnd bis der Arzt kommt. "He, du siehst aber toll aus (ins Publikum). Wenn ich dein Gesicht hätte, wären wir hier heute abend statt Stone the crow." (später als Blackmail, dann in Roskilde).
"Ist klar, was jetzt passieren muß? (wieder ein Opfer aus den Zuhörern) Geh und kauf dir ein Smoke Blow T-Shirt und zieh es über dein Turbonegro-Shirt. Turbonegro! Wenn die vor uns oder nach uns kämen, die würden wir wegklatschen."
"Scheiß Schwaben. Ja, ihr lacht. Dabei hasse ich euch wirklich. Ich bin nämlich ein regionaler Fascho. Nein, ist nur Spaß." Dazu springen er und MC Strassenköter geradezu halsbrecherisch über die Bühne und die Männer an den Brettern geben gnadenlos Vollstoff.
Zwar ist die Menge vor der Bühne noch immer überschaubar, doch kommt jetzt deutlich mehr Bewegung hinein, da vor allem die Landjugend (zumindest sehen sie so aus) heftig am Pogen ist. Wirklich bestes Rock'n'Roll Entertainment.

Nach einer ewig langen Umbaupause entern Blackmail die Bühne, aber oh Graus. Je länger am Klang herumgepfriemelt wurde, desto schlimmer. Zunächst sind die Koblenzer nämlich entschieden zu laut und zu metallisch, man hat hier wohl das Motto des Festivals zu wörtlich genommen. Während auf den fabelhaften Alben von Blackmail insbesondere warme Klangfarben und Aydo Abays modulierfähige Stimme bei aller vorhandenen Härte und Gitarrengewitters vorherrschen und den einzigartigen Sound der Band ausmachen, kommt dies hier zunächst überhaupt nicht zur Geltung, der Keyboarder ist am Anfang gar nicht zu hören. Erst bei der 4. Nummer, It could be yours, wird es ein wenig besser, nichtsdestotrotz verziehen sich einige ein paar Meter nach hinten, wo der Sound besser ist, man aber nix mehr sieht und erst recht keinen Kontakt mehr zur Bühne hat.
Aydo macht seine Witzchen über den Auftrittsort "Mußte es denn unbedingt eine Getränkehalle (!!!!!) sein?" und Bausparverträge und das Publikum taut allmählich auf. Zwar ist Blackmail nicht direkt zum nur abtanzen, pogen oder gar moshen, sondern eher eine "intelligent hart rockende" Band, aber spätestens bei Same sane ist dann doch der Funke übergesprungen. Mit Cozy in hell halten die Jungs geschickt das Feuer am Köcheln und dem grandiosen Friend zum Schluß, bei dem Saitenmagier Kurt Ebelhäuser in über zehn Minuten noch einmal sämtliche Register zieht, kann auch der Sound nichts anhaben.
Letztlich sind die Leute denn doch erschöpft und zufrieden, Aybos Charme, eine clevere Songauswahl mit mächtig Dampf und die erkennbaren Live-Kämpferqualitäten der Band haben den Auftritt gerettet.

Nach einer kurzen Umbaupause, indem sie den Soundcheck selbst in die Hand genommen haben, legen Mother Tongue los. Und wie! Der Sound ist hervorragend (je kürzer der Check desto besser?) und Davo holt gleich mal die Fans durch die Absperrung an und auf die Bühne ("This metal means nothing to me"). Schon gewonnen! Die Security reagiert professionell und gelassen wie während dem gesamten Festival (ausdrückliches Lob! auch wenn die Zuschauerzahl nicht sooo gewaltig war) und trägt die mittlere Absperrung vorsichtig weg.
Die ersten Stücke von "Ghost note" sind noch nicht so allgemein bekannt, aber zu CRMBL geht es dann schon richtig ab. MT fordert auch nochmals Applaus für die anderen Bands ein und legt mit Caspar nach. Sie verstehen es, den Auftritt zu einem hochemotionalen und intesiven (Gemeinschafts-) Erlebnis für Band und Publikum zu gestalten. Davo, Chris, Brian und Sasha l e b e n einfach ihre Musik, einen mehr als lebendigen Retro Rock mit den Eckpfeilern Blues und Soul, bei dem die ausgesparten Noten fast genauso spannend sind wie die gespielten.

Die sturmfreie Bühne wird zum vermehrten Stagediving genutzt, bei Serenade darf auch mal jemand aus dem Publikum ans Mikro.
Ein weiterer Höhepunkt ist Damaged aus dem 1. Album. Einfach gigantisch, diese Performance! Der beste Beweis: Mother Tongue werden zur Zugabe gedrängt, die auch sehr üppig ausfällt (insgesamt zwei Stunden Spielzeit) und bei der Gitarrist Chris Leibfried auf den Händen der Zuschauer sein Solo absolviert. Davo präsentiert immer wieder stolz seinen kleinen Sohn, der ab und zu die Bühne entert und die Band verläßt geschafft und glücklich nach diesem Triumph die Bühne.

Danach haben es Stone The Crow trotz Heimspiel schwer, ihren mit Samplern versetzten modernen Gitarrenrock an allzuviele Leute zu bringen. Der lange Tag, die Hitze und der Auftritt von Mother Tongue haben viele Besucher regelrecht ausgesaugt. Trotzdem harren natürlich noch etliche aus, um ihre local heroes abzufeiern.
Die Schnittmenge zwischen Bush, Creed und Godsmack, mit ein bißchen Nu Metal und Industrial versetzt, kommt live auch deutlich schlüssiger zur Geltung als zuletzt auf CD.
Immerhin haben die drei Schwäbisch Haller Jungs Marc Zini (Vocals), Hilli (Guitar) und Tom Schenk (Bass), die live durch Schlagzeuger Armin Dürl verstärkt werden mit Daylight, mit knackiger Hookline, und Passenger, den Knallern Air und Another one sowie der musikalischen Verbeugung vor Marc Zinis Favorites Depeche Mode mit People are people auch wirklich einiges an wiedererkennungstauglichem Ohrenfutter zu bieten.
Aber irgendwie wirken sie, insbesondere nach den hochemotionalen Mother Tongue, etwas schwäbisch (sympathisch aber) bieder und perfekt, aber ein bißchen (zu) clean.
Sehr weit nach Mitternacht klingt ein sehr vielseitiges, tolles Festival (trotz der mehrfach bespöttelten Location) [Du meinst die Getränkehalle??? Red., Abt. Trinkhalle] aus, das mehr Zuschauer als die geschätzten 600 verdient gehabt hätte, aber gegen die Konkurrenz Ferien/Baggersee/Gefrierfach an diesem Tag wohl nicht ankam.
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