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Roger Chapman
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| Erfurt, HsD Gewerkschaftshaus, 31.03.2004 |
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An diesem Samstagabend erschien es mir so, als hätten sich die Naturgewalten gegen mein Vorhaben, pünktlich beim Roger Chapman and The Shortlist-Konzert am Start zu sein, verschworen.
Es gilt dem 25-jährigen SHORTLIST-Jubiläum mit dieser Tournee zu huldigen.
Nach allen anfänglichen Schwierigkeiten schaffte ich es dennoch, zwar mit nassen Füssen, nach 20-minütiger Verspätung vor Ort des Geschehens zu sein. Alle Querelen waren sofort vergessen und die folgenden Geschehnisse bereiteten ein wirkliches Vergnügen.
Mir fiel sofort der schon stark transpirierende Frontmann ins Blickfeld, Chappo wie ihn seine Fans lieben.
Der sichtlich schmal wirkende 62-jährige kämpfte vergangenes Jahr mit erheblichen gesundheitlichen Problemen, hat aber deshalb von seiner außergewöhnlichen Ausstrahlung nichts verloren. Der hard workin' man ist immer noch präsent und hat immer einen trockenen Spruch mit dem typischen britischen Humor auf den Lippen.
Die markante Stimme des Meisters ist bei Moth To A Flame, vom Solodebüt 1979, eigentlich voll in Ordnung. Ich ließ mir aber nach dem Gig erzählen, dass er bei den drei Einstiegssongs mit ernsthaften stimmlichen Problemen zu kämpfen hatte.
Der Sound war hervorragend gemischt, so dass man die einzelnen Instrumente bestens erfassen konnte.
Sein Trademark, der schneidende und röhrende Gesangsstil, begleitete Roger durch den bisherigen musikalischen Lebenslauf. Der am 8.April 1942 in Leicester geborene Roger Chapman, begann seine Karriere 1967 als Frontmann der Kapelle THE FARINAS. Produzent Kim Fowley nahm die Band unter seine Fittiche, worauf diese den Namen in FAMILY abänderten. Die bekamen nach der ersten Single-Veröffentlichung im September 1967, die Chance ein selbstfinanziertes Album aufzunehmen ("Music In A Dolls House",1968). Das Debüt war "voller klagender Harmonika-Sounds, verzerrter Violineakkorde und unreal klingender Falsetto-Töne extravagant vielschichtig produziert"(Graves, Schmidt-Joos, Halbscheffel/Rock-Lexikon) und erregte in der Musikwelt große Aufmerksamkeit.
Nach sieben mehr oder weniger erfolgreichen Jahren erschien im Oktober 1973 das letzte FAMILY-Output. Chapman und Songwriter Charlie Whitney blieben zusammen und gründeten die STREETWALKERS, die mit 1A Liveauftritten und 4 Alben für Furore sorgten.
Er startete seinen Solo-Trip im Februar 1979 mit seinem von David Courtney produziertem Debüt "Chappo". Kurz darauf folgte das Live-Album" Live In Hamburg", inklusive einer Version von Micky Jupp's Song Shortlist, der dann auch als Vorgabe der Namensgebung von Rogers Begleitband herhalten musste.
THE SHORTLIST genoss in ganz Europa einen tadellosen Ruf als hervorragender Live-Act. Der Rolling Stones-Coversong Lets Spend The Night Together schaffte 1980 den Einstieg in die deutschen Charts.
Gleichzeitig brachte ihm der legendäre TV-Auftritt im WDR Rockpalast, am 18.Okt.1981, über Nacht in Deutschland einen steigenden Bekanntheitsgrad.
1981 war ein überaus erfolgreiches Jahr für Chappo. Er landete einen Riesen-Hit mit der Mike Oldfield Komposition Shadow On The Wall und veröffentlichte mit "Hyenas Only Laugh For Fun" das Rockalbum des Jahres in Deutschland. Gleichzeitig unterhielt er eine R&B-Soulkapelle namens THE RIFFBURGLARS von 1981-83, die den Spirit der Sessiongruppen wieder belebten und bei dem auch schon Micky Moody mitwirkte.
Es folgten einige in Europa erfolgreiche Alben, bis es etwas ruhiger um seine Person wurde.
Der erneute Wendepunkt zu alten Qualitäten wurde 1989 mit dem sensationellen Album "Walking The Cat" eingeläutet. Unterstützt wurde er dabei u.a. von Bob Tench (STREETWALKERS), Alvin Lee und Micky Moody.
Es schlossen sich in größeren Abständen 3 Studio- und ein Live-Album an.
Im März, April 2001 ging er mit dem Longplayer "Rollin and Tumblin" im Gepäck erstmalig wieder auf eine ausgedehnte Europa-Tournee.
Nun ist es fast genau 25 Jahre her, dass Chappo seine Solo-Karriere startete und jetzt ist er mit seiner hochkarätigen Band THE SHORTLIST wieder auf den Bühnen in Deutschland und Europa zu bewundern.
Um ihren schweißtreibenden Rhythm & Blues live zu präsentieren, ist seine Mannschaft in folgender Besetzung angetreten: Der Meister der Slide-Gitarre Micky Moody (Jahrgang 1950), dessen musikalisches Tagebuch sich schon wie das Who is Who der britischen Rockgeschichte liest. Er gab wichtige Impulse, Ende der 70er mit den Bluesrockern JUICY LUCY, SNAFU (3 Alben), werkelte an den wohl besten WHITESNAKE-Alben 1976-84 mit, verwirklichte mit Weggefährte Bernie Marsden Solo-Projekte und unterhält mittlerweile mit ihm zusammen die COMPANY OF SNAKES.
(Anmerkung der Redaktion: Die Company ist schon wieder Vergangenheit, die aktuelle Formation heißt M3 und außerdem darf man das Projekt BORDERLINE mit DOC HOLLIDAY und LIZARD's Georg Bayer nicht vergessen!)
Rhythmusgitarrist Dave Colwell sammelte einschlägige Erfahrungen mit den ungaren Reunions-Versuchen von BAD COMPANY und HUMBLE PIE 2002. Er spielte auch 1989 mit Adrian Smith ein Rockalbum ("Silver And Gold") ein. (Ungar? Vorsicht! Gleich fliegen Dir halbrohe T-Bone Steaks um die Ohren. Red. Abt. Metzgereiinnung)
Schlagzeuger John Lingwood strebte in den 70ern nach einigen kurzen musikalischen Intermezzi eine Profi-Fußballkarriere an. Daraus wurde aber nichts und er verdingte sich erst einmal als Studiomusiker. Es folgte seine zweifellos prägendste Ära bei Manfred Mann's EARTH BAND, denen er von 1979 bis 86 angehörte. Er ist derzeit (?) auch beim Bandprojekt COMPANY OF SNAKES mit im Boot.
Von der SHORTLIST-Urbesetzung sind noch Gary Twigg am Bass und Ian Gibbons an den Tasten mit von der Partie.
Zu guter Letzt ist da noch der hervorragende Saxophonist Andy Hamilton, der sich als Studiomusiker und Jazzer seine Sporen verdiente.
An diesem Abend zeigte es sich wieder, dass Chappo schon immer ein gutes Gespür für superbe Begleitmusiker hatte. Mit sichtlichem Spaßfaktor navigierten diese sich durch das umfangreiche Songmaterial, was sowohl die alten Klassiker wie auch einen neuen Song, Wild Frontier, umfasste.
Ein Höhepunkt im regulärem Set war sicherlich das exzellente Slide-Gitarrensolo von Micky und das Sax-Solo von Andy bei Blind Willie McTell.
Die Band wirkte wie eine große Familie, was dem gesamten Gig die Charakteristik einer Session einbrachte. Die Beteiligten waren mit echter Intensität und voller Leidenschaft bei ihrer Performance. Im Mittelpunkt ein schwitzender, mit Wasser von außen und innen durchtränkter Chapman, von dem Kritiker in den 70ern noch behaupteten, er erinnerte mit seiner Erscheinung an den kalifornischen Mord-Satanisten Charles Manson (Quelle: Rocklexikon).
Er verspürt sicherlich eine Abscheu gegen Weihwasser bzw. ist auf der Bühne ein Derwisch, aber er ist bestimmt einer der kumpelhaftesten Menschen im Rockbusiness (Anm. d. Verf.: Er mischte sich nach dem Gig unter das im angrenzenden Museumskeller verweilende Erfurter Kneipenpublikum).
Die begeisterten ca. 450 Anwesenden feierten ihren Helden gebührend und schafften es, Roger nebst Mannen noch zweimal auf die Bretter zurückzuholen. Dabei durfte das frenetisch umjubelte Shadow On The Wall selbstverständlich auch nicht fehlen.
Mit einem furiosen Jesus and The Devil, bei dem sich die Protagonisten noch einmal einzeln profilieren konnten, endete nach gut 130 Minuten wieder eine Konzert-Sternstunde im Erfurter HsD.
Dieses Haus entwickelt sich immer mehr als Pilgerstätte für ewig jung gebliebene Rockmusikliebhaber. Man bekam an diesem Abend wieder Value for Money geboten und die zufriedenen Gesichter sprachen für sich. Einige verließen mit einer Trophäe, ein durchtränktes Schweißhandtuch des Meisters, siegessicher die Kampfstätte.
Chappo wir wünschen Dir jedenfalls Gesundheit und viel Kraft für noch viele zukünftige Projekte.
Rock'n Roll will never die!
Setlist: Higher Ground, Kiss My Soul, X-Town, Moth To A Flame, Wild Frontier, Blind Willie McTell, Who Pulled The Nite Down, Prisoner, Son Of Red Moon, Habits Of A Lifetime, Unknown Soldier, Oh Brother/Shadow On The Wall, Jesus And The Devil.
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