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Supp.: Rawhead Rexx

München, Metropolis, 14.11.2001

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Fotos: Fred Schmidtlein & Ilka Czernohorsky

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Rawhead Rexx
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Saxon
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München, Metropolis, 14.11.2001Bildergalerie

Jetzt ist es passiert. Ich werde nun aus der Hartgitarrenfraktion auf immer ausgeschlossen. Der LÜV-Bayern (Lautstärkeüberwachungsverein) wird in meine Wohnung eindringen und sämtliche Platten, auf denen strombetriebene Instrumente vertreten sind, beschlagnahmen. Meine Nichten werden noch lauter brüllen als sie es eh schon tun. Unser Kollege Klaudi Schmöseke aus Varlingen in der Heide wird mir einen Termin bei seiner Firma, der E. Lausch KG, vereinbaren. Gott sei Dank, Klaudi ist dort Hörgeräteakustiker.

Ich habe mir erstmals in mehr als 20 Jahren Ohrstöpsel in meine Lauscher eingeführt!

Und das war gut so. Ansonsten wäre dieser Abend mit Sicherheit mein letzter gewesen bei dem ich einen Ohrgasmus gehabt hätte.

Es folgt jetzt eine grundsätzliche Ansage: Rock & Roll, Hard Rock und Heavy Metal MUSS laut sein. Zuhause und vor allem live. AC/DC, Priest, Saxon und Lemmy waren noch nie Kammermusiker. Auch das ist gut so.
Aber, meine Herren (ich meine die Soundverantwortlichen), muss es denn wirklich sein, dass ihr dem geneigten (bzw. luftgitarrespielenden) Publikum das Hirn aus dem Schädel pustet? Hey, wir sind auch älter geworden und die Haare sitzen nicht mehr so fest, wie noch 1980. Diese Lärmattacken reißen uns die allerletzten noch aus!
Jungs, merkt ihr nicht, dass die Soundanlagen heute besser sind als 1978? Da muss dem Zuhörer keine Eisenbahnschwelle vor den Kopf geschlagen werden, damit er mitkriegt was gespielt wird.
Klar, jetzt sagen sicher ein paar Headbanger, der alte Sack soll doch daheim bleiben. Das wäre die eine Alternative. Aber das wäre nicht gut.
Ab sofort werde ich keinen Ton mehr über infernalische Lautstärke verlieren, sondern von einem geilen Heavy Metal Konzert berichten!

RAWHEAD REXX. Uah, welch furchteinflößender Name. Und so klingt auch das Intro. Der Höllenhund knurrt persönlich vom Band und rüttelt an der Eisenkette. Aber was dann kommt ist weniger erschreckend.
Die klassische 4-Mann-Metal-Besetzung, knackfrischer Sound (bis auf... siehe oben), Twin-Guitars (klar, immer wieder hört man was Maiden-ähnliches), Doublebassdrumming wie aus der Eisenschmiede, eine absolute Sirene am Gesang, fettester Bass (ein schöner Sechssaiter), dazu die passenden Songs.
Ok, ich sag es ehrlich, einige Nummern waren mir zu speedig. Aber die vielen fliegenden Mähnen im Publikum beweisen, dass diese Art von Power Metal im Moment absolut angesagt ist. Und immer sein wird.

Die Jungs bringen größtenteils Songs aus ihrem Debutalbum, wobei (und das ist für eine Vorband sicher klug) vor allem Wert auf die Granaten gelegt wird. Songs wie The Scream, The Holy War kommen mächtig rübergeknallt. Nicht nur Drummer Dany Löble kickt, die ganze Band IST Metal.

Meine Favoriten: Die Bandhymne Rawhead Rexx, bei der sich, alleine schon wegen der Gitarren, die Lauscher aufstellen, Request (was ein druckvoller Song) und eine Nummer, deren Name ich nicht kenne, die mich aber sofort (basstechnisch) an einen Klassiker von BLACK SABBATH erinnert und folgerichtig auch in Heaven And Hell mündet. Und da zeigen alle 4 was sie draufhaben. Ganz geil! Jürgen Volk muss sich nicht hinter Ronnie James verstecken (geht eh nicht, weil der so klein ist).
Herausragend ist immer wieder Basser "Face". Mir wurde gesagt, dass der Mann die ganze Tour mit gebrochener (?!?) Schulter spielt. Was treibt der auf der Bühne, wenn er fit ist?

RAWHEAD REXX haben beim Wacken Open Air gespielt (2000 und 2001), sind auch schon für das nächste Jahr dort gebucht und bestehen mitnichten aus Newcomern. Jürgen schmetterte bereits bei GLENMORE, Gitarrist Rüdiger Fleck war bei LETTER-X und Face war bei EROTIC JESUS. Massig Erfahrung also und vor allem wirkliche musikalische Wertarbeit. Das wird auch vom gut gefüllten Metropolis gewürdigt. Die Jungs räumen sauber ab.

SAXON habe ich schon 1980 gesehen. Und seitdem hat sich nicht viel verändert. Immer noch kommt einfacher, schnörkelloser Metal von der Bühne. Ohrwürmer zuhauf, positive Power, jede Menge Klischees, die aber nicht stören, sondern dazu gehören.

Das Metropolis ist jetzt knallvoll. Biff erwähnt, dass es viele Jahre her ist, seitdem Saxon eine Münchner Halle ausverkauft haben. Auch das ist ein Beweis, dass Heavy Metal tolle Fans hat. Da können sich die Trendhopper ein Scheibchen abschneiden.

Die Klassiker des Konzerts sind natürlich 747 (Strangers In The Night), Dallas 1 PM, Heavy Metal Thunder (in ein Drum Solo und Conquistador integriert, Solid Ball Of Rock (sowieso eines meiner Lieblingsalben) und Wheels Of Steel als eine der 4 Zugaben.

Ein Klassiker der Saxon Zukunft ist zweifelsfrei Court Of The Crimson King. Live der absolute Hammer.
Dogs Of War hat mir noch nie gefallen und kommt live, in meinen Ohren, noch dumpfer rüber. Rock Is Our Life gefällt mir auf Platte besser, weil lockerer.

Die Band ist tight wie immer, Fritz Randow ist ein phantastischer Drummer (sag ich schon seit ELOY Zeiten), Paul Quinn, Nibbs Carter und Doug Scarrat powern um die Wette, man könnte meinen, die Herren sind Anfang 20.
Biff sieht mit seinen grauen Wallehaaren richtig gut aus, hat aber einige Stimmprobleme. Ob es an der Tourbelastung liegt oder ein Altersproblem ist weiß ich nicht. Außerdem hat er exakt den gleichen schwarzen Mantel an wie ich. Dafür hat er die größeren Falten im Gesicht. Hähä.

Ein sehr sehr gutes Heavy Metal Konzert. Mir langt es allerdings für die nächsten Wochen. So eine Packung brauch ich nicht ständig.

Unser Dank geht an Michaela-Susan Pollok von EPM Entertainment GmbH, München und die Firma Hearsafe für die Erhaltung meiner Hörkraft.

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 15.11.2001

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