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Fotos: Dr. Thomas Schimpff
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| Pratteln/CH, Z 7, 16.12.2005 |
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Das "Z 7" befindet sich in Pratteln bei Basel. Hier setzt man auf guten Rock der eher traditionellen Art. So schauten in den letzten zwei Wochen auch MAGNUM, Carl Palmer, SAGA und der WHITESNAKE-Ableger M3 vorbei. Das Publikum ist altersmässig eher durchmischt - örtlich auch, neben diversen deutschschweizer Idiomen hört man badische, hochdeutsche und französische Laute.
Zu den Bands, die sich hier fast jährlich einfinden, gehört SAXON, die ein weiteres Heimspiel absolvierten. Dieses Jahr lief es unter dem Motto "A Night out with the boys - 25th Anniversary of NWOBHM". Dabei leisteten sich die Jungs um Peter 'Biff' Byford den Luxus, ohne Vorgruppe aufzutreten - bei genau 120 Minuten Spielzeit gewiss keine Manko. Auch schien es in der mit ca. 700 Leuten gut gefüllten Halle niemand übelzunehmen, dass die Band glatte 75 Minuten später als angekündigt begann - was sich dann durch eine deutlich überdosierte Trockeneisvernebelung auch der vorderen Reihen ankündigte.
Biff Byford, Paul Quinn und Doug Scarret an den Leadgitarren, Bassist Nibbs Carter und der wieder einmal an die Drums zurückgekehrte Nigel Glockler beschränken sich bei ihrer Jubiläumstour auf die ersten fünf Alben - wenn denn nicht ihr Frontmann den Zettel mit der Setlist Zettel sein lässt... Das Programm entsprach im wesentlichen der aus anderen Konzerten der "25th Anniversary of NWOBHM" bekannten Setlist. Also eine Vollbedienung aus den für die Band glorreichen frühen Achtzigern, in denen SAXON zwischen 1980 und 1982 sogar vier Singleauskopplungen in den englischen "Top Twenty" plazieren konnte, bevor man mit dem amerikanischen Markt liebäugelte, merkwürdige musikalische Experimente anging oder sich mit der einen oder anderen Ungereimheit (siehe dazu: Denim & Leather - Die SAXON History) schlicht selbst im Wege stand.
Der Sound war - im Gegensatz zu einem der Konzertberichte aus der Bochumer Zeche vom 02.10.2005 - hervorragend - für die rechte Art, SAXON zu geniessen, fast etwas zu leise. Dies hat den eher komischen Hintergrund, dass die netten Betreiber des im Gewerbegebiet und direkt an der Autobahn gelegenen Z 7 seit Jahren einen Kampf mit den lärmsensiblen schweizer Behörden führen. Deren letztes Schmankerl war die Auflage eines grossen Dezibelzählers links von der Bühne, dessen albernes Zahlenhinundhergehüpfe aber wenigstens diesmal nicht nervte - aus irgendwelchen Gründen war die Anzeige ausgestellt oder glücklicherweise ganz kaputt.
Eine Augenweide ist immer noch Bassist Nibbs Carter. Er headbangt zwar nur noch das halbe Konzert wie ein Wilder - trotzdem ein Wunder, wie er das seit eineinhalb Jahrzehnten Bandmitgliedschaft unbeschadet übersteht. Präzise wie immer der auch schon seit Mitte der Neunziger eine der beiden Leadgitarren bedienende Doug Scarret. Sein Pendant Paul Quinn, sonst mit dem Aktionsradius des URIAH HEEP-Veteranen Trevor Bolder (also pro Konzert einmal um die eigene Achse drehen), war für seine Verhältnisse richtig lebendig und enterte am Ende der Show sogar kurz eine Lautsprecherbox. Irgendwie wirkt er auf mich optisch aber trotzdem wie ein Grossvater, der halb stolz und halb belustigt seine Enkel beobachtet. Der wieder einmal als "Neuzugang" im SAXON-Lager gemeldete Nigel Glockler liess sich leider kaum ausspähen, aber die Behandlung der Felle war gewohnt solide.
Die Frontmann-Qualitäten von Biff Byford, der sich bei Frozen Rainbow auch als Gitarrist versuchte, waren und sind einfach allererste Güte. Erst drohte er wie gewohnt "You want Crusader?" an (um es dann doch noch zu intonieren), dann war er sich nicht ganz sicher, ob heute nur die ersten vier oder die ersten fünf Alben gespielt werden, um schlussendlich auch diese Fragestellung mit der Zugabe des grundsoliden A solid ball of rock, welches nun definitiv nicht zu der ersten Handvoll Alben gehört, zu ignorieren. Ob die komplette Band die Setliste von Anfang an wusste, bleibt bei der spontanen Songauswahl von Mr. Byford wie häufig unklar - aber Biff ist und bleibt, um seine Worte an das zufriedene Publikum zurückzugeben "a great fucking audience".
Schlussendlich: Ein wirklich schlechtes Konzert wird es bei SAXON wohl nie geben. Ich kenne nur gute und fast geniale Auftritte, einen davon 1996 im gottverlassenen Dörfchen Weiher im Odenwald. Diesmal war die Band gut, aber nicht genial: Ohne Ausfälle, souverän, vielleicht etwas zu routiniert, aber die Jungs sind ja auch fast pausenlos auf Tournee - und das ist auch gut so.
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